Über die Freude am Schreiben und die Macht der Worte – Interview mit Soham, Teil 3
In Teil 1 und Teil 2 des Wortezauber-Interviews hatte Soham über Kreativität gesprochen. Und eine Empfehlung gegeben, wie du mehr Ruhe findest und in den kreativen Flow kommst. In Teil 3 spricht Soham über die Freude am Schreiben. Und die Macht der Worte.
HINWEIS: Das Interview mit Soham haben wir per Videoschalte geführt. Die Leseversion im Folgenden ist ein Transkript des Videos.
Rohita: Was würdest du sagen, wie groß ist die Macht der Worte?
Soham: Nun ja, wie ich gesagt habe, die Worte selbst haben keine Macht. Die Macht ist, was hintern den Worten steckt, was sie erzeugt. Swamiji hat seine Autobiografie geschrieben. Und wenn man die Autobiografie liest, ist sie so aufregend, so lebendig. Er transportiert uns in eine andere Welt, stellt uns Leuten vor, die wir sonst niemals gekannt hätten und er wählt Worte. Aber es sind nicht die Worte, es ist die Energie hinter den Worten, die Energie, die die Worte erzeugt – und sie werden lebendig. Es ist fast so als würden die Worte aus dem Blatt springen, so lebendig sind sie.
Und Swamiji ist kein kreativer Schreiber, er ist ein sehr einfacher Mann in seinem Schreiben. Und er schreibt noch nicht mal in seiner eigenen Sprache, er schreibt in seiner Zweitsprache. Aber es verringert nicht die Kraft der Worte. Also, wir schauen uns Worte an, wir schauen sie uns aus anderen Blickwinkeln an. Es gibt literarische Werke, die Klassiker sind. Und sie sind Klassiker, weil sie immer noch lebendig sind. Sie berühren uns immer noch. Es ist das gleiche mit Musik, mit Kunst, mit der Bildhauerei: Es geht darum, was mit dem Künstler passiert, wenn er oder sie als Medium für diese Kunst agiert. Die Person wird leer. Der Autor wird leer und aus dieser Leere heraus fließt Kreativität.
Rohita: Vielleicht noch eine Frage: Hast du einen Tipp für alle, die sich jetzt im Moment durch Angst blockiert fühlen?
Soham: Meditieren. Meditation ist der Schlüssel, der alles öffnet. Denn was ist Angst? Angst ist körperbezogen, so wie „Ich habe Angst, dass ich sterbe!“ Nun ja, dieser Körper wird sterben. Das steht fest. Es gibt niemanden, der diesem Leben lebend entfliehen kann. Wir sind alle terminal. Also wo ist das Problem? Warum sind manche Leute ängstlich und andere nicht? Haben wir Angst vorm Sterben oder Angst vorm Leben?
Haben wir Angst, diese Identifikation zu verlieren, diese falsche Identifikation? Wir werden sie verlieren, es ist unvermeidlich. Aber wenn wir es verlieren, während wir noch in dem Körper leben, werden wir frei. Wenn wir warten sie zu verlieren, bis der Körper gestorben ist, sind wir nicht frei, wir müssen in einem anderen Körper wiederkehren. Dann machen wir das Ganze noch mal. Dies ist die Möglichkeit, dieses Leben für die höchste Kreativität zu nutzen. Als Ego zu sterben, während man immer noch in einem Körper lebt. Swamiji starb vor 25 Jahren, und du hast noch nie jemanden gesehen, der noch lebendiger ist, noch glücklicher und noch friedlicher. Das ist unser Potential, und danach hungert es uns allen, denn nichts, das weniger wäre, ist zufriedenstellend.
Rohita: Vielen Dank, Soham, für deine Zeit und für alles was du gesagt hast, das ist wirklich toll!
Soham: Cool, ich weiß diese Gelegenheit zu schätzen.
Rohita: Hast du noch irgendetwas, was du dazutun möchtest oder was, das dir jetzt wichtig ist?
Soham: Ich bin leer.
Rohita: Okay, dann ganz ganz herzlichen Dank!
Du hast Teil 1 und Teil 2 verpasst hast? In Teil 1 spricht Soham darüber, wie du Ruhe im hektischen Alltag findest. Und in Teil 2 spricht er über den kreativen Flow. Dir hat die Serie gefallen? Lass es uns wissen: Schreib an text@wortezauber.de.
INFO: Soham ist ein spiritueller Meister und wurde 1941 in San Francisco geboren. In frühen Jahren wurde er ein Schüler Oshos. Seit 1998 gibt Samarpan in Deutschland, Österreich und der Schweiz Satsang. Mehr Infos unter soham.one.